Die „Homo-Ehe“

Vor über 20 Jahren, direkt nach dem Abitur, habe ich ein Jahr als Au-Pair in San Francisco gelebt.

Dort leben wegen des liberalen Klimas sehr viele Homosexuelle.

Es hat nicht lange gedauert, bis ich Menschen kennenlernte, die lesbisch oder schwul waren. Eine Freundin, mit der ich auch heute noch befreundet bin, hat mir z.B. relativ schnell davon erzählt, dass sie Frauen liebt.

Als sie die Worte „I’m gay“ („ich bin homosexuell“) ausgesprochen hatte, schaute sie mich verstohlen und etwas ängstlich von der Seite an, um zu prüfen, wie ich diese Aussage verkrafte.

Würde ich sie jetzt ablehnen? Würde ich es widerlich finden? Wäre das das Ende unserer Freundschaft?

Ein Leben in Wahrheit

Für mich ist es essentiell wichtig, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, ein Leben in Wahrheit zu führen.

Wenn Sie innerlich spüren, dass Sie sich als Mann zu Männern hingezogen fühlen, können Sie sich auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln, aber das wird nichts ändern.

Wenn Sie nah an Ihrer Seele und glücklich leben wollen, müssen Sie in der Wahrheit bleiben.

Und die Gesellschaft ist meiner Meinung nach verpflichtet, Ihnen das zu ermöglichen, so lange Sie mit Ihrem Verhalten keinem anderen schaden.

Für mich ist klar: Liebe ist Liebe.

Ich finde es wundervoll, wenn zwei (oder mehr) Menschen sich so sehr lieben, dass sie verbindlich miteinander leben wollen.

Daher bin ich aus tiefster Überzeugung dafür, jedem Menschen das gleiche Eherecht zu geben.

Eine Ehe bringt nicht nur Vorteile mit sich, sondern sie bedeutet auch, dass man füreinander einsteht und Verpflichtungen übernimmt.

Ich finde, das wird derzeit gerne vergessen.

Wenn ich mir z.B. die Äußerungen der saarländischen Ministerpräsidentin durchlese, die Kinder vor gleichgeschlechtlichen Eltern schützen möchte, werde ich wütend und traurig.

Die Realität

Ich bin seit über zehn Jahren als Scheidungsanwältin tätig.

Glauben Sie mir eins: Wenn es Eltern nach einer Trennung nicht schaffen, für ihr Kind da zu sein, ist das für das Kind die schlimmstmögliche Situation.

Das heutige Unterhaltsrecht bevorteilt zudem massiv denjenigen, bei dem die Kinder nicht wohnen.

Dieses Elternteil muss sich nicht um den Alltag kümmern.

Alle Krankheiten, alle Probleme mit der Betreuung, alle Hausaufgaben, alle Entwicklungsprobleme, im Grunde alles, was das Kind akut täglich betrifft, bleibt hauptsächlich am betreuenden Elternteil hängen.

Das deutsche Unterhaltsrecht verlangt zudem vom betreuenden Elternteil eine Vollzeittätigkeit, sobald das jüngste Kind drei Jahre alt ist. D.h., der Expartner muss nach der Scheidung ab diesem Zeitpunkt in der Regel keinen Unterhalt mehr für Sie zahlen.

Klar, für die Kinder wird er Unterhalt entsprechend der Düsseldorfer Tabelle zahlen.

Die Düsseldorfer Tabelle räumt dem Ex-Partner aber erhebliche Möglichkeiten ein, wie er sein Einkommen runterrechnen kann. Das wird dann juristisch formvollendet „bereinigtes Nettoeinkommen“ genannt.

Hat er zum Beispiel ein monatliches Netto von 4.000,00 €, ein paar Schulden und eine weite Fahrtstrecke zur Arbeit, stehen die Chancen gut, dass er maximal 500,00 € an seine Ex-Familie zahlen muss.

Die Familie erhält zwar zusätzlich noch das Kindergeld, aber es dürfte jedem klar werden, dass hier Beträge rauskommen, die weit unter dem Sozialhilfesatz liegen.

Die Konsequenz?

Die Familie wird Antrag auf Hartz IV-Leistungen stellen müssen. Die Kinder, die in dieser Familie leben, werden arm sein.

Diese schreiende Ungerechtigkeit ist anscheinend gesellschaftlich vollkommen vertretbar.

Wenn man sich als Politiker den Schutz der Familie auf die Fahnen schreibt, frage ich mich, warum man nicht dort ansetzt.

Adoptionsrecht für homosexuelle Eltern?

Eine Volladoption eines Kindes durch zwei homosexuelle Elternteile bedeutet, dass das Kind damit rechtlich wie deren eigenes Kind gestellt wäre.

Es hat dann nicht nur zwei Mütter oder zwei Väter, sondern vor allem zwei Menschen, die verpflichtet sind, für seinen Unterhalt aufzukommen. Zwei Menschen, von denen es erben wird.

Ist das nicht besser, als nur einen rechtlichen Vater oder eine rechtliche Mutter zu haben?

Die frühkindliche Entwicklung

Das Argument des angeblichen Schutzes der frühkindlichen Entwicklung halte ich für blanken Hohn.

Ein Kind braucht Stabilität, Liebe, Zuwendung und Menschen, die für es eintreten und da sind.

Das müssen nicht Vater und Mutter sein.

Wie viele Kinder in Deutschland wachsen bei ihren Großeltern oder in Pflegefamilien auf?

Werden diese Kinder dadurch in ihrer Entwicklung gestört?

Ich denke nicht. Ich denke, dass Kinder in vielen Fällen dadurch erst zu einer positiven Entwicklung finden können.

Abschließend noch eine kleine Anekdote aus meinem Au-Pair Jahr:

Drei kleine Mädchen spielen im Sandkasten miteinander. Eines davon ist das Kind eines lesbischen Paares. Es kommt zum Streit um Spielsachen.

Schließlich brüllt dieses Kind die anderen an: „Aber ich habe zwei Mütter und Ihr nicht!“

2 Kommentare

  • Willi

    Die Realität
    Da würde ich gerne widersprechen bzw. die Kritik an der bestehenden Rechtsprechung ausweiten.
    Zum Widerspruch, 500,-€ Unterhalt für ein Kind pro Monat ist eine ordentliche Summe. Das ist NICHT der Unterhalt für die gesamte Restfamilie, sondern für 1 Kind. Wichtiger ist doch, dass dieser Wert auch tatsächlich gezahlt wird und dann auch für das Kind genutzt wird.
    Die Regelung, dass eine Vollzeittätigkeit schon ab dem 3. Lebensjahr gefordert wird, ist mir nicht bekannt, ich kenne dies erst ab dem 12. Lebensjahr, aber da lasse ich mich gerne mit einer Quelle auf einen aktuellen Stand heben. Letzlich ist es aber so, dass zur Berechung des Unterhaltes die aktuellen Lebensverhältnisse herangezogen werden und nicht solche, die gewünscht werden.

    IN meinen Augen und aus eigener Erfahrung, sehe ich ein viel größeres Problem, dass es nach dem Unterhaltsrecht keine Aufteilung gibt. Auch wenn ein Kind 14 Tage im Monat beim Elternteil ist und dort vollständig unterstützt wird, es aber dort nicht gemeldet ist, geht der volle Unterhalt an den Elternteil, wo das Kind gemeldet ist. Das widerspricht eklatant dem Grundsatz der gemeinsamen Sorge, die heutzutage meistens angesetzt wird. Die Gerichte entscheiden auch in solchen Fällen rein nach der Düsseldorfer Tabelle, da ein anteiliger Unterhalt nicht vorgesehen ist, auch wenn die Realitätä oft anders ist. Insbesondere fördert das nicht den Willen des zahlenden Partners sich finanziell über den zu zahlenden Unterhalt hinaus zu engagieren/wirtschaftlich. Z.B. die Wahl einer größeren Wohnung mit Kinderzimmer wird dadurch sehr erschwert.

    • Hallo!

      Vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Ich habe relativ viele Rückmeldungen von geschiedenen Vätern bekommen und werde da noch einen entsprechenden Beitrag veröffentlichen. Denn es ging mir nicht um Väter an sich, sondern um gesellschaftliche Wertungen, die sich in Gesetzen ausdrücken.

      In dem Beispielfall, an den ich gedacht habe, als ich den Artikel schrieb, waren die 500,00 € für drei Kinder zu zahlen. Was jetzt nicht wirklich als ordentliche Summe bezeichnet werden kann.

      Die Regelung zur Vollzeittätigkeit finden Sie in § 1570 BGB:

      „(1) Ein geschiedener Ehegatte kann von dem anderen wegen der Pflege oder Erziehung eines gemeinschaftlichen Kindes für mindestens drei Jahre nach der Geburt Unterhalt verlangen. Die Dauer des Unterhaltsanspruchs verlängert sich, solange und soweit dies der Billigkeit entspricht. Dabei sind die Belange des Kindes und die bestehenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung zu berücksichtigen.

      (2) Die Dauer des Unterhaltsanspruchs verlängert sich darüber hinaus, wenn dies unter Berücksichtigung der Gestaltung von Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit in der Ehe sowie der Dauer der Ehe der Billigkeit entspricht.“

      Leider gehen Familiengerichte mit diesem Paragraphen oft sehr restriktiv um, so dass in der Tat meist mit dem Kindergarten die Vollzeittätigkeit vom betreuenden Elternteil gefordert wird.

      Werden Kinder im gleichen Umfang von Vater und Mutter betreut, spricht man vom sog. „Wechselmodell“. In diesen Fällen gibt es eine neue Leitsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs, die Sie hier nachlesen können:

      http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&sid=1b7c056ffa6527437a0c28145ab84a24&nr=69726&pos=0&anz=1

      Der BGH geht in diesen Fällen davon aus, dass beide Elternteile für den Barunterhalt einzustehen haben.

      Vielleicht können Sie unter Zuhilfenahme dieser Rechtsprechung mit der Kindesmutter eine Lösung finden.

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