Leitfaden Selbständigkeit 12: Integrität, Zusammenhalt und „Building your Tribe“

Mögen Sie Autos?

Ich eigentlich nicht – bis ich aufs Land gezogen bin, hatte ich nicht mal ein eigenes.

Dennoch bin ich seit Jahren ein großer Fan der britischen Autosendung TopGear.

Falls Sie die Sendung nicht kennen: Sie wird von der BBC produziert und wird im deutschen Fernsehen auf DMAX ausgestrahlt.

TopGear wurde bis 2015 von Jeremy Clarkson, James May und Richard Hammond moderiert.

Alle drei verfügen über großes Fachwissen, sind befreundet und haben untereinander eine sehr eigenwillige Dynamik, die extrem unterhaltsam ist.

TopGear ist keine typische Autosendung:

Zwar werden auch die technischen Facetten verschiedener Fahrzeugmodelle erörtert, aber der Reiz der Sendung liegt darin, die Interaktion zwischen den Moderatoren zu beobachten.

Oft treten die drei z.B. mit den von ihnen präferierten Fahrzeugen gegeneinander an oder bauen Autos, die einen bestimmten Zweck erfüllen sollen. Alles ist sehr hochwertig fotografiert und genial geschnitten.

Unter den drei Moderatoren ist Jeremy Clarkson sicher die stärkste Persönlichkeit. Er ist auch außerhalb der Sendung nicht gerade für besondere Zurückhaltung oder angepasste Meinungsäußerung bekannt.

Dennoch hat es die Fans der Sendung sehr erstaunt, als im Frühjahr 2015 bekannt wurde, dass die BBC den Vertrag mit ihm nicht verlängern würde. Hintergrund war ein Vorfall, bei dem er mit einem Produzenten der Sendung aneinandergeraten ist.

Als ich davon erfuhr, habe ich mir ernsthaft Sorgen um eine meiner absoluten Lieblingssendungen gemacht.

Dann ist etwas sehr Interessantes passiert:

Die beiden anderen Moderatoren, James May und Richard Hammond, gaben kurze Zeit später bekannt, dass sie ohne Jeremy Clarkson ebenfalls nicht weitermachen würden. Daraufhin wurden auch ihre Verträge mit der BBC nicht verlängert.

Versetzen wir uns kurz einmal in die Lage der Beiden:

Eben noch moderieren sie die erfolgreichste Sendung der BBC mit einem Millionenpublikum auf der ganzen Welt – ein echter Traumjob, bei dem sie mit ihren Freunden um die Welt ziehen, Spaß haben, unterhaltsame und informative Beiträge produzieren und mit Sicherheit auch ordentlich verdienen.

Dann baut einer Mist, der Sender greift zu Maßnahmen und plötzlich steht alles auf der Kippe…

Was würden Sie in einer solchen Situation tun?

Natürlich ist den beiden klar, dass das Format ohne Jeremy Clarkson erheblich leiden würde.

Dennoch fand ich es integer und bewundernswert, dass sie sich dazu entschieden haben, zu ihrem Freund zu stehen und nicht ohne ihn weiterzumachen.

Das Ganze ging übrigens gut aus:

Seit Mitte November 2016 sind sie alle drei mit dem neuen Format „The Grand Tour“ auf Amazon Prime zu sehen. Die ersten vier Folgen sind bereits online, sprengen angeblich alle Streaming-Rekorde und sind einfach großartig!

Zusammenhalt scheint sich also zu lohnen.

Damit ist die Geschichte, die ich mit diesem Blogbeitrag erzählen möchte, noch nicht vorbei, denn jetzt passiert etwas Spannendes:

Nach der Erfahrung, wie schnell man durch eine einzige Entscheidung sein Publikum und damit seine Reichweite verlieren kann, starten die drei Ende November Drivetribe, ihr eigenes Forum für Autofans.

Genial.

Denn als selbstständige, medienproduzierende Unternehmer im Internetzeitalter – und genau das sind sie letztlich – hängt für sie alles davon ab, dass sie ihre Fans und „Kunden“ erreichen.

Mit einer eigenen Plattform können sie das. Und es kann ihnen auch niemand einfach „den Stecker rausziehen“…

Viele Unternehmer, die online sichtbar sind, setzen derzeit auf Google, Facebook, Twitter, Instagram oder ähnliche Plattformen. Ändert jedoch eines dieser Unternehmen – wie in der Vergangenheit vor allem bei Google und Facebook geschehen – seine Algorithmen, erreichen Ihre Beiträge vielleicht nicht mehr 5.000 Menschen, sondern nur noch 500.

Klar, Sie können auf jeder dieser Plattformen für Werbung bezahlen, aber viel einfacher und kostengünstiger ist es doch, wenn Sie unabhängig von Fremdanbietern Ihre Zielgruppe erreichen.

Sie haben Fragen oder Anregungen zu diesem Thema? Kontaktieren Sie mich gerne unter 06373-891145 oder verwenden Sie das Kontaktformular.

2 Kommentare

  • Ich bin auch kein Freund dieser Plattformen. Und ich stimme zu, dass es kostengünstiger ist, andere Weg zu gehen. Aber einfacher? Je nach Branche und Voraussetzungen möchte ich da widersprechen.
    Bei dem Beispiel gab es ja bereits eine große Fangemeinde, sprich Kunden. Diese dann auf eigene Kanäle mitzunehmen funktioniert relativ einfach. Aber gerade am Anfang muss man sich erst einmal solch einen großen Kundenstamm aufbauen, und da sind diese Plattformen meiner Meinung nach leider kaum wegzudenken.
    Ich finde, man muss mehrgleisig fahren. Für die Neukundenwerbung auch diese Plattformen nutzen, aus Neukunden Stammkunden machen, die man dann auch über andere Kanäle hält. Bestenfalls fungieren diese dann als Multiplikatoren.

    • Da stimme ich zu, vielleicht hätte ich das noch deutlicher herausarbeiten müssen, dass die Mehrgleisigkeit das und auch mein Mittel der Wahl ist!

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