Leitfaden Selbständigkeit 3: Die Vision

In jeder Existenzgründungsberatung kommt der Moment, wenn Ihr Coach möchte, dass Sie Ihre „Vision“ entwerfen.

 „Wo sehen Sie sich in fünf und wo in zehn Jahren?!“

Tja, und dann sitzen Sie da und sollen Ihre Zukunft aus dem Ärmel schütteln…

Ich fand diese Frage albern: Ich wollte Anwalt sein, davon leben können und dann „mal sehen“.

Klar, man hat das ein oder andere Rechtsgebiet, das einem mehr liegt. Aber was bringt es, wenn ich mir sage „Oh, ich will nur Erbrecht machen!“ und dann kommt in den nächsten fünf Jahren kein Erbrechtsmandant durch die Tür?

Ich finde es gut, wenn man sich Ziele setzt.

Will ich z.B. wirklich, wirklich Erbrechtsspezialist werden, werde ich mich auf diesem Gebiet intensiv fortbilden. Und ich werde meine Akquise und Werbung darauf ausrichten, Erbrechtsfälle an Land zu ziehen.

Verzetteln Sie sich nicht.

Mache ich z.B. eine Autowerkstatt auf, bin gleichzeitig Paketshop, verkaufe gebrauchte Kinderkleidung auf eBay und züchte nebenher professionell Hunde, könnte es sein, dass ich am Schluss nur noch von Aufgabe zu Aufgabe hetze und keine Sache richtig mache.

Unerledigte oder schlecht erfüllte Aufgaben führen zu Kundenunzufriedenheit!

Mein Rat daher:  Überlegen Sie sich noch vor der Gründung, wohin die Reise ungefähr gehen soll. Was Sie erreichen wollen und wie Sie arbeiten möchten.

Überdenken Sie gesetzte Ziele von Zeit zu Zeit.

Ich überlege mir am Anfang eines Jahres, was ich in diesem Jahr erreichen will:

Vor ein paar Jahren wollte ich die nötigen familienrechtlichen Fälle bekommen, um den Fachanwaltstitel im Familienrecht zu erwerben, davor wollte ich eine bestimmte Anzahl von Mandaten erreichen…

Man erreicht seine Ziele, wenn man sich an ihnen orientiert.

Von daher:  Visionen entwickeln, Ziele setzen – nicht die schlechteste Idee, aber bitte bleiben Sie offen für das, was der Markt und Ihr Betrieb bietet.

Noch weiterlesen? Dann bitte hier entlang zum vierten Teil.

Sozialrecht 1: Der Verwaltungsakt

Eine Sozialbehörde handelt in der Regel nur auf Antrag und durch Verwaltungsakt. Beispiele im Sozialrecht:

  • Rentenbescheid,
  • Bescheid über Leistungen zur Grundsicherung
  • Wohngeldbescheid.

Der Verwaltungsakt kann mündlich oder schriftlich ergehen, muss begründet und Ihnen bekanntgegeben werden.

Der Verwaltungsakt muss eine Rechtsbehelfsbelehrung enthalten. Man muss Ihnen also mitteilen, wie Sie sich wehren können, wenn Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind. Beispiel:

  • „Gegen diesen Bescheid kann innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch erhoben werden. Der Widerspruch ist bei dem Jobcenter Landkreis Kusel, Fritz-Wunderlich-Straße 49 b, 66869 Kusel schriftlich oder zur Niederschrift einzulegen. Bei schriftlicher Einlegung des Widerspruchs ist die Widerspruchsfrist (Satz 1) nur gewahrt, wenn der Widerspruch noch vor Ablauf der Frist bei der Behörde eingegangen ist.“

Wenn Sie einen solchen Bescheid mit Rechtsbehelfsbelehrung erhalten, haben Sie einen Monat Zeit, um den Widerspruch bei der Behörde zu erheben. Beispiel:

  • Bescheid vom 01.02.2015 liegt am 03.02.2015 bei Ihnen im Briefkasten. Ihr Widerspruch muss die Behörde spätestens mit Ablauf des 03.03.2015 erreicht haben.

Fehlt die Rechtsbehelfsbelehrung – was durchaus vorkommt – oder ist sie falsch, so ist der Verwaltungsakt nicht direkt unwirksam. Aber Sie können dann bis zu einem Jahr nach Erhalt des Bescheides Ihren Widerspruch wirksam erheben.

Wichtig ist, dass all Ihre Handlungen der Behörde gegenüber nachweisbar sind.

Es kommt leider manchmal vor, dass Mandanten Unterlagen an die Behörde schicken, die in der Akte nicht auffindbar sind.

Mein Tipp daher:

  • Geben Sie Unterlagen persönlich ab und lassen Sie sich den Empfang quittieren.
  • Falls Sie Unterlagen per Post schicken, verwenden Sie ein Einwurfeinschreiben.
  • Heben Sie den Sendebericht auf, falls Sie Unterlagen per Telefax an die Behörde senden.

Mit Ihrem Widerspruch beginnt das behördliche Widerspruchsverfahren, das ich in meinem nächsten Beitrag zum Sozialrecht behandeln werde.

Falls Sie Fragen haben, rufen Sie mich an, Telefon 06373-891145, oder nehmen Sie gleich hier Kontakt auf.

Leitfaden Selbständigkeit 2: Der Grundstein

Sie müssen sich zunächst überlegen, welche Produkte oder Dienstleistungen Sie anbieten wollen.

Von Vorteil ist es, wenn Sie in dem angestrebten Bereich eine Ausbildung haben und/ oder in dem entsprechenden Beruf schon als Angestellter gearbeitet haben.

Eine Selbständigkeit erfordert von Ihnen viele Fertigkeiten neben dem eigentlichen Beruf.

Daher sollte man meiner Meinung nach für die Kerntätigkeit ausreichend Erfahrung mitbringen.

Meine Gründung ist in der Zeit erfolgt, in der die sog. „Ich-AGs“ gefördert wurden.

Diese Förderung ist – so kam es mir damals jedenfalls vor – jedem bewilligt worden, der sich selbständig machen wollte. Das war nicht immer sinnvoll.

Man konnte z.B. beobachten, dass an vielen Ecken Nagelstudios Eröffnung feierten und etwa ein halbes Jahr später wieder verschwunden waren. Ein Kurs zur „Nagelmodellage“ war günstig zu haben, auch die Grundausrüstung war erschwinglich…

Jedoch hatten die wenigsten Nageldesigner durchkalkuliert, wie viele Hände sie maniküren mussten, um überhaupt die monatliche Raummiete zu erwirtschaften. (Derzeit kann man das gleiche Phänomen übrigens bei Goldankaufläden beobachten.)

Meist endet eine solche kurze Selbständigkeit nicht damit, dass der Laden einfach schließt:

  • Geschäftsräume werden oft auf mehrere Jahre angemietet,
  • Lieferanten und Mitarbeiter wollen bezahlt werden,
  • Kredite sind aufgenommen worden.

So kommt es häufig vor, dass eine Selbständigkeit mit hohen Schulden und in der Insolvenz endet.

Eine Insolvenz ist in Deutschland zwar nicht das Ende der Welt, bedeutet aber, dass Sie auf viele Jahre finanziell eingeschränkt leben müssen und Ihre Kreditwürdigkeit auch nach der Restschuldbefreiung lange negativ bleibt.

Ich rate Ihnen deshalb, eine Selbständigkeit nur aufzunehmen, wenn Sie Ihren Job können und Sie ihn auch wirklich und von Herzen machen wollen.

Wie geht es dann weiter? Dazu mehr im nächsten Beitrag!