Leitfaden Selbständigkeit 5: „Being Boss“

Wie ich in diesem Beitrag erklärt habe, finde ich es wichtig, dass Sie sich vor Ihrer Selbständigkeit gründlich informieren. Auch wenn Sie schon lange selbständig sind, macht es Spaß, sich immer wieder mit Sachen zu beschäftigen, die mit Business zu tun haben.

Meine Lieblingsressource für Inspiration und Bestärkung ist derzeit der „Being Boss“-Podcast (in englischer Sprache) von Kathleen Shannon und Emily Thompson.

 

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Den Podcast gibt es seit Anfang 2015. Jeden Dienstag wird eine neue Folge veröffentlicht, auf die ich mich schon im Vorfeld freue. Zu jeder Episode gibt es auf der Internetseite weitere Informationen und Zitate.

Beide Frauen sind seit ein paar Jahren selbständig. Kathleen Shannon ist Mitinhaberin von Braid Creative und beschäftigt sich mit der Entwicklung und dem Aufbau von Marken und Geschäftsideen. Emily Thompson ist Inhaberin von Indie Shopography und entwickelt Webseiten und Marken.

Beiden geht es nicht nur darum, dass sich ihre Unternehmen entwickeln und wachsen, ihnen ist es auch wichtig, effektiv und hilfreich zu arbeiten.

Da beide Mütter sind, geht es auch viel darum, wie man alles unter einen Hut bekommt, wie man sich selbst organisiert und motiviert bleibt. Dabei gehen sie strategisch und intelligent vor und lassen den Zuhörer an ihren Gedanken und Überlegungen teilhaben.

Ebenso wie ich glauben sie daran, dass es wichtig ist, das, was man selbst erfährt und weiß, mit anderen freigiebig zu teilen.

Hören Sie doch mal rein!

PS: Seit neuestem gibt es auch eine Facebook-Gruppe zum „Being Boss“-Podcast.

 

 

Rechtliche Vorsorge: Interview mit Priv.-Doz. Dr. Patrick Müller-Best, Teil 2

Hier können Sie den ersten Teil des Interviews lesen…

Wenn Ihr das Betreuungsgericht einschalten müsst, wie läuft das ab? Und in welchem Zeitraum wird eine Entscheidung durch das Betreuungsgericht getroffen?

Da sind wir in meiner Klinik in einer sehr gesegneten Situation, da unser Amtsgericht sehr schnell handelt.

In der Praxis läuft es so ab, dass unser Sozialarbeiter und wir mit den Angehörigen – so vorhanden – sprechen und diese festlegen, wer als Betreuer vorgeschlagen werden soll. Diesen Vorschlag geben wir an das Betreuungsgericht weiter.

Sobald eine Entscheidung getroffen wird, lässt uns das Betreuungsgericht eine Kopie der Betreuungsurkunde zukommen. Sollte eine Betreuung noch schneller erforderlich sein, gibt es für uns die Möglichkeit, beim Landgericht über einen Notfallrichter eine Betreuung zu erwirken.

Wir sind da wirklich in einer idealen Lage, ich weiß von anderen Kliniken, dass solche Entscheidungen manchmal nicht so schnell möglich sind.

Wenn es jetzt in einem Fall keine Angehörigen gibt, wer wird dann Betreuer?

Es kommt darauf an. Manche Patienten benennen auch Nachbarn oder gute Freunde als Vertreter für Notfälle. Wenn es keine Aussagen des Patienten gibt, werden oft auch Betreuungsvereine oder sogenannte Berufsbetreuer eingesetzt.

Notfälle kommen ja in der Regel ohne Vorankündigung auf einen Menschen zu. Was würdest Du empfehlen, wie man sich für solche Fälle vorbereiten und absichern sollte?

Prinzipiell ist eine sogenannte Patientenverfügung sinnvoll. In ihr sollte aber schon festgehalten werden, was man möchte und was man eben nicht will. Viele Formulare, die derzeit für Patienten zugänglich sind, sind relativ schwammig formuliert und helfen daher im Notfall nicht wirklich weiter.

Deshalb halte ich es eigentlich schon für noch wichtiger, dass man für solche Fälle eine Vertrauensperson und idealerweise auch einen Stellvertreter für diese Person benennt, die im Notfall für einen sprechen kann.

Viele medizinischen Sachverhalte sind nicht so einfach, dass sie durch ein Patientenverfügungsformular wirklich abgedeckt werden. Oft gibt es durchaus Interpretationsbedarf, den man als Arzt mit einer solchen Vertrauensperson besprechen muss.

Ein Patient sollte idealerweise schon vor dem Notfall mit den Vertrauenspersonen gesprochen haben, damit diese wissen, was man will und was man eben nicht will.

Du sprichst von einer Vorsorgevollmacht, oder?

Ja, eine Vorsorgevollmacht, in der man gerade auch bestimmt, wer in medizinischen Notfällen für einen entscheiden soll. Klar kann eine Vorsorgevollmacht auch für den finanziellen Bereich gelten.

Man kann auch für die unterschiedlichen Bereiche verschiedene Personen bestimmen, wenn man etwa denkt, dass eine Person nicht für beide Bereiche geeignet ist.

Okay. Mal eine ganz andere Frage: Wenn jemand bewusstlos bei Euch eingeliefert wird, dann wisst Ihr ja in der Regel nicht, ob diese Person regelmäßig Medikamente nimmt und braucht. Wie geht Ihr in einem solchen Fall vor?

Das ist schwierig. Der Patient bekommt natürlich zunächst einmal die Medikamente, die für seinen Notfall erforderlich sind.

Aber wir wissen natürlich zunächst nicht, ob er auch noch andere Medikamente benötigt. Das versuchen wir dann über die Angehörigen herauszubekommen. Teilweise können wir dies auch über den Hausarzt erfragen, wenn wir wissen, wer der Hausarzt des Patienten ist.

Manchmal haben wir auch Glück und der Patient hat in seiner Brieftasche einen Zettel, auf dem sein Medikamentenplan aufgeführt ist.

Es wäre also sinnvoll, wenn jeder, der dauerhaft Medikamente nehmen muss, einen Zettel bei sich hat, auf dem genau steht, was er einnimmt. Sinnvoll wäre es doch auch, wenn auf dem Zettel stehen würde, worauf der jeweilige Mensch allergisch ist, oder?

Ja, es sollte insbesondere auch darauf geachtet werden, dass der Medikamentenplan aktuell ist.

Patienten, die allergisch auf Substanzen reagieren, haben oft einen Allergieausweis dabei.

Hilfreich sind natürlich auch Ausweise über durchgeführte Operationen, z.B. ist es oft so, dass Patienten, die einen Herzklappenersatz hatten, einen Ausweis dabeihaben.

Ein Ausweis sollte dann aber auch wirklich bei sich geführt werden. Ein Allergieausweis, der zu Hause in der Schublade vor sich hin wartet, wird in der Regel im Notfall nicht gefunden. Zumal die Patienten ja auch nicht immer zu Hause sind, wenn sie in eine Akutsituation geraten.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass man aus Deiner Sicht auf jeden Fall eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung haben sollte. Meiner Erfahrung nach ist es auch sehr wichtig, dass die eingesetzten Personen wissen, dass es solche Vollmachten und Verfügungen gibt und wo sich diese befinden.

Ja, das ist extrem sinnvoll. Die Vertrauenspersonen sind ja auch oft die Person, die einen Notruf tätigen.

Sollte der Patient keine Wiederbelebungsmaßnahmen wünschen, so muss das dem Notarzt mitgeteilt werden. Sonst ist der Notarzt verpflichtet, alles dafür zu tun, damit der Patient überlebt.

Ist eine Reanimation aber durchgeführt worden und der Patient hat einen Atemschlauch erhalten, so kann dies nicht einfach rückgängig gemacht werden. Man muss daher vorher eingreifen, wenn eine Wiederbelebung von einem Patienten zum Beispiel wegen einer schweren Erkrankung nicht gewünscht wird.

Noch abschließende Worte?

Nein, ich denke wir haben alles ausführlich besprochen.

Dann vielen Dank für dieses Gespräch.

Falls Sie sich weiter über Patientenverfügung, Betreuungsrecht und Vorsorgevollmacht informieren wollen, finden Sie auf den Seiten des Bundesjustizministeriums viele Informationen, Formulare und Broschüren.

Für Fragen stehe ich Ihnen ebenfalls gerne zur Verfügung: Telefon 06373-891145, oder kontaktieren Sie mich hier.

Rechtliche Vorsorge: Interview mit Priv.-Doz. Dr. Patrick Müller-Best, Teil 1

Als Rechtsanwalt werde ich oft dann eingeschaltet, wenn ein Mandant schon ein massives Problem hat. Mir ist es in meiner Arbeit wichtig, Menschen schon im Vorfeld zu beraten, damit vermeidbare Probleme gar nicht erst entstehen.

Mein Mann, Priv.-Doz. Dr. Patrick Müller-Best, arbeitet als Arzt im Krankenhaus und behandelt häufig Notfälle und schwerkranke Menschen. Im folgenden Interview haben wir uns darüber unterhalten, wie die Versorgung solcher Patienten abläuft und warum rechtliche Vorsorgemaßnahmen – Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht – wichtig sind:

Beschreib uns doch bitte kurz Deine Tätigkeit.

Ich bin Chefarzt der Klinik für Innere Medizin an einem kirchlich geführten Krankenhaus. Meine Abteilung ist allgemein internistisch ausgerichtet mit einem Schwerpunkt für Kardiologie. Zudem bin ich Privatdozent an der Universität des Saarlandes.

Was für Leistungen bietet Deine Abteilung an?

Wir bieten alle allgemeinen Untersuchungen der internistischen Medizin an. Zu uns kommen Notfallpatienten aus dem gesamten internistischen Bereich.

Schwerpunktmäßig führen wir – als Klinik mit kardiologischen Schwerpunkt – Herzkatheteruntersuchungen durch. Dies natürlich auch bei Notfällen, d.h. insbesondere bei Herzinfarkten. Darüber hinaus versorgen wir eine interdisziplinäre Intensivstation mit acht Betten und eine Intermediate-Care-Station mit vier Betten.

In welchem Zustand kommen die Patienten zu Euch? Sind sie in der Regel noch ansprechbar?

Das ist sehr unterschiedlich. Die meisten Patienten sind wach und ansprechbar. Da wir aber auch Herzinfarktpatienten versorgen, gibt es auch Patienten, die reanimiert worden sind. Manche wiederbelebten Patienten müssen einem Herzkatheter zugeführt werden. Zudem haben wir natürlich auch Patienten mit schweren Lungenerkrankungen, die mit einem Atemschlauch versorgt worden sind und dadurch nicht ansprechbar sind. Viele Patienten liegen auch in einem so genannten künstlichen Koma.

Wie werden solche Patienten von Euch versorgt?

Wir stabilisieren diese Patienten zunächst. Dies versuchen wir mit kreislaufunterstützenden Maßnahmen zu erreichen. Nach der Stabilisierung versuchen wir natürlich, den Atemschlauch wieder zu entfernen und den Patienten wacher werden zu lassen.

Leider gelingt dies nicht in jedem Fall. Manchmal ist es dann auch notwendig, dass die Patienten mit einem Luftröhrenschnitt versorgt werden, um die Beatmung einerseits fortführen zu können, zum anderen auch, um eine Möglichkeit zu haben, den Atemschlauch auf Dauer zu entfernen.

Inwieweit spielt in solchen Fällen der Wille des Patienten eine Rolle?

Dazu müsstest Du als Rechtsanwältin natürlich noch mehr wissen als ich. Es ist so, dass die aktuelle Rechtsprechung und Gesetzgebung verlangt, dass der mutmaßliche Wille des Patienten immer an erster Stelle steht.

Wir versuchen dabei, uns an Patientenverfügungen zu orientieren. Natürlich ist es für uns aber noch wichtiger, einen Ansprechpartner zu haben, der den Willen des Patienten kennt und vertritt.

Am einfachsten ist es, wenn der Patient vor dem Ereignis bereits in einer Vorsorgevollmacht festgelegt hat, wer im Falle seiner Nichtansprechbarkeit für ihn reden soll. Wenn dies nicht geregelt ist, sprechen wir mit den Angehörigen.

Es ist ja bei Euch vermutlich auch so, dass viele Eurer Patienten älter sind. Wie schnell geht es denn in einem Notfall, einen Angehörigen zu erreichen?

Das ist extrem unterschiedlich und stellt in vielen Fällen wirklich ein Problem dar. Es kommt doch immer häufiger vor, dass Patienten keine nächsten Angehörigen haben, sondern vielleicht Neffen und Nichten, bei denen wir erstmal gar nicht wissen, wie wir sie erreichen können. Dann müssen wir teilweise auch über die Polizei Angehörige suchen lassen.

Was passiert, wenn von Euch zeitnah keine Angehörigen gefunden werden können?

Dann lassen wir durch das Gericht einen Betreuer bestimmen, der für den Patienten spricht.

Natürlich heißt das nicht, dass die Patienten in der Zwischenzeit keine Behandlung erfahren. Wir sind immer dazu verpflichtet, Notfallmaßnahmen durchzuführen, und tun dies selbstverständlich auch. D.h., der Patient wird nicht deshalb nicht wiederbelebt, weil es keinen Angehörigen gibt, der zustimmt.

Wir müssen in dem Fall von dem ausgehen, was wir von dem Patienten wissen und dementsprechend handeln.

Wo es aber schon ein Problem gibt, sind Maßnahmen, die nicht extrem zeitkritisch sind, wie zum Beispiel bei der Versorgung mit einem Luftröhrenschnitt. Da kann man durchaus noch zwei Tage länger abwarten.

Bei schweren Operationen müssen wir immer Rücksprache halten. Solche Maßnahmen müssen vom Gericht genehmigt werden, wenn keine Vollmachten vorliegen.

Ein Luftröhrenschnitt klingt für mich jetzt erst einmal wie etwas, das sehr schnell geschehen muss. Welches Behandlungsziel wird mit einem solchen Luftröhrenschnitt erreicht?

Wenn ein Patient mit einem Tubus, d.h. mit einem Atemschlauch, versorgt worden ist, versuchen wir natürlich zuerst, ob sich dieser wieder entfernen lässt und der Patient selbstständig atmen kann und keine massive Unterstützung durch die Beatmungsmaschine benötigt.

So ein Atemschlauch kann aber nicht ewig liegen bleiben. Wir müssen nach circa einer Woche entscheiden, ob die Entfernung des Atemschlauchs möglich ist oder ob wir einen anderen Weg gehen müssen.

Ein anderer Weg wäre eben der Luftröhrenschnitt. Ein über die Luftröhre eingesetzter Atemschlauch ist deutlich kürzer. Damit ist eine Beatmung und eine längerfristige Entwöhnung von der Beatmungsmaschine einfacher möglich. Insofern ist in den seltensten Fällen ein Luftröhrenschnitt sofort notwendig.

Es gibt natürlich Ausnahmen, dann aber üblicherweise direkt in der Notfallsituation, wenn die Luftröhre derart zugeschwollen ist, dass ein normaler Tubus nicht mehr durchpasst.

Hier geht es weiter zum 2. Teil des Interviews…