Ratgeber Scheidung 4: Die Trauerphase

Sie haben sich getrennt und sind wieder Single. Für die meisten Menschen folgt nach der Trennung eine intensive Trauerphase.

Vielleicht können folgende Tipps Ihnen in dieser Zeit helfen:

1. Sie sind nicht allein.

Auch wenn Ihr Partner nicht mehr da ist, Ihre Freunde und Ihre Familie sind an Ihrer Seite.

Vergraben Sie sich nicht allein daheim, greifen Sie zum Telefon, weinen Sie sich bei der besten Freundin aus, lassen Sie sich von Ihrer Mutter bekochen, gehen Sie mit Ihren kleinen Neffen spazieren.

2. Trennungen sind alltäglich.

Ich kann mich an eine Trennung erinnern,  nach der es lange gedauert hat, bis sie überwunden war. Aber nach ein paar Wochen dachte ich:

„Das, was Du gerade durchmachst, passiert ganz vielen Leuten. Vermutlich laufen gerade Tausende Menschen in Deutschland durch ihre Tage und fühlen sich genauso mies wie Du.“

Dieser Gedanke hat mir geholfen. Diese Erkenntnis, dass eine Trennung eine universelle Lebenserfahrung ist, die jeder (mehrfach) mitmacht.

3. Das Leben geht weiter.

Ja, eine Trennung fühlt sich an wie das Ende der Welt, aber am nächsten Morgen geht die Sonne auf und ein neuer Tag startet…

Man ist nicht gleich wieder voll funktionstüchtig, aber früher oder später wird man zum „Tagesgeschäft“ zurückkehren müssen.

Ich bin ein großer Befürworter davon, sich krankschreiben zu lassen, wenn es wirklich gerade nicht geht. Aber ich glaube auch, dass es hilft, seinen Alltag weiterzuleben, seine Aufgaben zu erfüllen und so wieder zu sich zu finden.

Wenn Sie damit Probleme haben, schreiben Sie sich eine To-do-Liste. Nehmen Sie Punkte auf wie „Haare bürsten“ und „Zähne putzen“. Streichen Sie erledigte Aufgaben mit einem dicken schwarzen Stift durch.

Es mag lächerlich klingen, aber es gibt einem das Gefühl, wenigstens etwas erreicht zu haben…

4. Geben Sie Ihren Gefühlen Raum.

Direkt nach einer Trennung sind die meisten in der „Heulendes Elend“-Phase. Das ist gut, denn der Schmerz muss raus.

Nach ein paar Wochen ebbt es ab, aber man hat noch Tage, an denen man einfach nur weinen möchte. In solchen Momenten rate ich zu folgender Methode:

Schauen Sie auf die Uhr und geben Sie sich 15 Minuten Zeit, um sich so richtig in Ihre Traurigkeit hineinzusteigern:

Schluchzen Sie laut, weinen Sie sich durch zwei Päckchen Taschentücher. Zerreißen Sie theatralisch Bilder. Zerstören Sie ein paar Erinnerungsstücke. Feuern Sie sich innerlich ordentlich dabei an.

Egal, was Sie tun, Hauptsache, Sie tun es mit vollem Einsatz!

Und dann, wenn die Viertelstunde vorbei ist, hören Sie auf. Und schmunzeln über Ihren Elan.

5. Lassen Sie das Licht wieder hinein.

Das Leben nach einer Trennung ist nicht nur schwarz und dunkel. Glück und Lachen kehren wieder in Ihr Leben zurück.

Schaffen Sie Raum dafür, indem Sie Dinge tun, die Ihnen Spaß und Freude machen.

Am Anfang sind es vielleicht nur kleine Lichtpunkte, aber mit der Zeit werden die schönen Phasen länger und heller.

6. Tun Sie Sachen nur für sich.

Eine Beziehung bringt Einschränkungen mit sich.

Vielleicht durften Sie nie Fußball schauen. Oder man hat sich über Ihren Filmgeschmack lustig gemacht. Oder Sie mussten zu ungeliebten Familienfeiern gehen…

Was auch immer Sie nur Ihrem Partner zuliebe getan haben: Es ist vorbei.

Jetzt können Sie genau das machen, was Sie wollen!

Schauen Sie sich zwei Staffeln Ihrer Lieblingsserie hintereinander an. Gehen Sie raus in die Natur. Essen Sie nur die Dinge, die Sie essen wollen. Ziehen Sie mit Ihren Kumpels nächtelang um die Häuser. Legen Sie die grüne Gesichtsmaske auf, mit der Sie sich nie vor anderen zeigen würden.

Egal, was es ist, ich bin sicher, Ihnen fällt etwas Passendes ein… und dann noch etwas und dann noch etwas…

 7. Sie werden einen neuen Partner finden.

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die meisten meiner Mandanten spätestens zum Scheidungstermin, circa 1,5 Jahre nach der Trennung, einen neuen Partner gefunden haben.

Ihr Exfreund oder Exmann hat mit Ihnen einen Lebensabschnitt gelebt. Ein neuer, vielleicht passenderer Partner, wird Sie durch die nächste Lebensphase begleiten.

Falls Ihnen diese oder andere Tipps nicht helfen und/ oder Sie das Gefühl haben, dass Sie Ihren Lebensmut nicht wiederfinden können, gehen Sie bitte zu einem Arzt oder Psychologen und besorgen Sie sich die Hilfe, die Sie benötigen.

Für Fragen stehe ich Ihnen ebenfalls gerne zur Verfügung: Telefon 06373-891145, oder kontaktieren Sie mich hier.

Die Vorsorgevollmacht

Um eine gerichtliche Betreuung zu verhindern, können Sie eine Person Ihres Vertrauens durch eine Vorsorgevollmacht ermächtigen, für Sie zu handeln.

Diese Person trifft dann an Ihrer Stelle verbindlich die notwendigen Entscheidungen.

Anweisungen in der Vollmacht:

Der Bevollmächtigte muss und sollte überlegen, wie der Vollmachtgeber entscheiden würde, wenn er selbst handeln könnte.

Natürlich ist es schwer, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Daher sollte die Vorsorgevollmacht Entscheidungshilfen oder sogar rechtsverbindliche Anweisungen enthalten.

Der Inhalt der Vollmacht:

Die Person des Bevollmächtigten und den Umfang seiner Befugnisse können Sie in einer Vorsorgevollmacht selbst bestimmen.

Die meisten Menschen erteilen eine Generalvollmacht für alle persönlichen und vermögensrechtlichen Angelegenheiten – damit kein wesentlicher Bereich vergessen wird.

Die Vollmacht kann die z.B. die persönlichen und finanziellen Angelegenheiten eines Menschen regeln:

Persönliche Angelegenheiten betreffen das Lebensumfeld unmittelbar:

  • Eigene Wohnung oder Heim?
  • Operieren oder nicht?
  • Wer darf die Krankenakte sehen?
  • Wer darf mit dem Arzt reden?

Weil es hier um den Kern der Selbstbestimmung geht, verlangt der Gesetzgeber, dass der Bevollmächtigte hierzu ausdrücklich ermächtigt wird!

Finanzielle Angelegenheiten:

  • Einzahlungen auf das Bankkonto und Abhebungen
  • Abschluss oder Kündigung eines Mietvertrages
  • Beantragung von Leistungen bei der Krankenkasse oder der Pflegeversicherung

Aber:

Bei höchstpersönlichen Rechtsgeschäften (z.B. bei der Errichtung eines Testaments) ist eine Vertretung nicht möglich!

Mehrere Bevollmächtigte:

Man kann die Befugnisse auch zwischen mehreren Personen aufteilen oder festlegen, dass eine zweite Person bei bestimmten Entscheidungen zustimmen muss.

Wenn Sie zum Beispiel ein Kind haben, das sich gut um sie kümmert, aber sich mit Geld nicht auskennt, kann es sinnvoll sein, für Ihre finanziellen Entscheidungen eine zweite Person zu bevollmächtigen.

Bitte denken Sie daran:

Unstimmigkeiten zwischen den Bevollmächtigten verzögern Entscheidungen!

Falls Sie mehrere Personen bevollmächtigen möchten, ist es auf jeden Fall sinnvoll, dies vorab mit diesen Menschen durchzusprechen, damit Ihre Wünsche allen Beteiligten klar sind!

Eine Vollmacht ist Vertrauenssache!

Es besteht die Möglichkeit, dass der Bevollmächtigte die Vollmacht missbraucht. Wem Sie „nicht so recht über den Weg trauen“, dem sollten Sie auch keine Vollmacht geben.

Ich rate meinen Mandanten, auch auf das eigene Bauchgefühl zu achten, das einem oft sagen kann, wer geeignet ist und wer eben nicht.

Die Form der Vorsorgevollmacht

Wie muss eine wirksame Vollmacht abgefasst sein?

  • schriftlich (lesbar mit Ort, Datum und Unterschrift!)
  • Formulare können Ihnen helfen, müssen aber eventuell auf Ihre persönliche Situation und Ihre Wünsche angepasst werden
  • eine notarielle Beurkundung ist in der Regel nicht erforderlich (außer z.B. bei: Verbraucherdarlehen, Veräußerung und Belastung von Häusern)

Bank- und Kontovollmachten:

Können in die Vorsorgevollmacht mit aufgenommen werden. Es gibt aber bei Ihrer Bank in der Regel auch Vordrucke, mit denen Sie Vollmachten für Ihre Konten erteilen können.

Die Vollmacht muss später nachweisbar sein!

Ist der Vollmachtgeber sehr alt oder bereits schwer erkrankt, muss überprüfbar sein, dass er im Zeitpunkt der Ausstellung der Vollmacht noch geistig klar (geschäftsfähig) war!

In solchen Fällen empfiehlt sich:

  • eine notarielle Beurkundung oder
  • den Hausarzt mit unterschreiben lassen!

Arzt und Notar müssen sich vergewissern, dass der Vollmachtgeber die Bedeutung und das Ausmaß der Vorsorgevollmacht versteht.

Bitte geben Sie klar an, für welche Bereiche die Vollmacht gelten soll!

Sie müssen die Person(en) mit Geburtsdatum benennen, die bevollmächtigt sein soll(en).

Für den Fall, dass der eigentlich Bevollmächtigte ausfällt, empfiehlt es sich, einen Ersatzbevollmächtigten (ebenfalls mit Geburtsdatum) benennen.

Um sicherzustellen, dass die Vollmacht nicht durch Blätteraustauschen manipuliert werden kann, sollten Sie jede Seite einzeln am unteren Rand unterschreiben!

Was tun mit der Vollmacht?

Man kann die Vorsorgevollmacht beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren. Dort schauen Gerichte bei Betreuungsverfahren nach, wenn geprüft werden soll, ob ein Betroffener vielleicht schon eigene Vorsorge getroffen hat.

Die Vollmacht muss im Bedarfsfall schnell verfügbar sein.

Sprechen Sie daher mit dem Bevollmächtigten, händigen Sie die Vollmacht aus oder teilen Sie mit, wo sie verwahrt wird.

Besprechen Sie auch im Vorfeld, ob der Bevollmächtigte sich der Aufgabe gewachsen fühlt und zur Vertretung bereit ist.

Auch andere nahe Personen, die Sie nicht bevollmächtigt haben, sollten Sie über die Vollmacht und deren Inhalt informieren!

Falls Sie sich weiter über Betreuungsrecht und Vorsorgevollmacht informieren wollen, finden Sie auf den Seiten des Bundesjustizministeriums viele Informationen, Formulare und Broschüren.

Für Fragen stehe ich Ihnen ebenfalls gerne zur Verfügung: Telefon 06373-891145, oder kontaktieren Sie mich hier.

Die Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung ist eine persönliche Handlungsanweisung an Ärzte:

Sie können so bereits jetzt festlegen, welche Behandlung Sie für den Fall möchten, dass Sie Ihren Willen nicht mehr kundtun können.

Häufigster Inhalt sind Behandlungswünsche für das Lebensende.

Unterschied zur Vorsorgevollmacht:

Bei jeder ärztlichen Behandlung (z.B. Operation, Spritzengabe) ist Ihre Einwilligung erforderlich. Sind Sie schwer erkrankt, kann man Sie möglicherweise nicht mehr fragen, ob Sie mit den anstehenden Behandlungen einverstanden sind.

Die Patientenverfügung gibt in einem solchen Fall Ihren mutmaßlichen Willen wieder, während eine Vorsorgevollmacht schon jetzt verbindlich festlegt, wer Sie rechtswirksam vertreten kann.

Vor ein paar Jahren ist die Patientenverfügung gesetzlich geregelt und ins Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen worden:

„Hat ein […] Volljähriger […] schriftlich festgelegt, ob er in bestimmte […]Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe einwilligt oder sie untersagt (Patientenverfügung), prüft der Betreuer, ob diese Festlegungen auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zutreffen. Ist dies der Fall, hat der Betreuer dem Willen des Betreuten Ausdruck und Geltung zu verschaffen. Eine Patientenverfügung kann jederzeit formlos widerrufen werden.“ (§ 1901 a Abs. 1 BGB)

Betreuer kann in diesem Fall auch derjenige sein, der Ihr Vorsorgebevollmächtigter ist.

Wie muss eine wirksame Patientenverfügung abgefasst sein?

  • schriftlich (lesbar mit Ort, Datum und Unterschrift!)
  • Formulare können Ihnen helfen, müssen aber eventuell auf Ihre persönliche Situation und Ihre Wünsche angepasst werden
  • Eine notarielle Beurkundung ist in der Regel nicht erforderlich

Da Sie die Patientenverfügung meist viele Jahre vor dem Zeitpunkt erstellen, für den sie gebraucht wird, macht es Sinn, Ihren Willen jährlich oder alle paar Jahre zu bestätigen.

Schreiben Sie dazu einfach unter Ihre Patientenverfügung: „Dies ist auch weiterhin mein Wille“ und unterschreiben Sie dies mit Datum und Ortsangabe.

Inhalt der Patientenverfügung:

Das größte Problem ist, dass Sie in der Patientenverfügung bereits heute Festlegungen für Situationen treffen sollen, in denen Sie vermutlich noch nie waren.

Deshalb darüber nachdenken:

  • Was ist Ihnen in Bezug auf Krankheit und Tod wichtig?
  • Wovor haben Sie Angst?
  • Soll alles medizinisch Mögliche getan werden?
  • Oder möchten Sie in aussichtslosen Situationen sterben gelassen werden?

Wenn Sie diese Fragen für sich geklärt haben, sollten Sie sich Rat suchen und z.B. Ihren Hausarzt ansprechen. Lassen Sie sich von ihm erklären, was in welcher Situation sinnvoll ist.

Lesen Sie sich Formulierungshilfen durch und entscheiden Sie, was in Ihre Patientenverfügung aufgenommen werden soll.

Wenn Sie noch unsicher sind, lassen Sie sich rechtlich durch einen Anwalt oder einen Notar aufklären.

Setzen Sie dann Ihre Patientenverfügung auf und überprüfen Sie diese regelmäßig.

Bitte beachten Sie:

Aufgrund von zwei Entscheidungen des Bundesgerichtshofs im Jahr 2016 und 2017 reicht es nicht mehr aus, dass man in der Patientenverfügung lediglich auf „lebenserhaltende Maßnahmen verzichtet“.

Der BGH verlangt, dass in der Patientenverfügung ganz konkret die Maßnahmen und Situationen beschrieben werden, in denen der Patient eine bestimmte Handlung wünscht oder eben gerade nicht wünscht.

Zusätzliche Informationen zu der neuen Rechtsprechung hat das Bundesjustizministerium hier veröffentlicht.

Bitte denken Sie daran:

Die Patientenverfügung muss im Notfall schnell auffindbar sein!

Deshalb:

  • Benennen Sie einen Vertreter und erstellen Sie zusätzlich eine Vorsorgevollmacht
  • Informieren Sie Ihren Hausarzt
  • Besprechen Sie den Inhalt der Patientenverfügung mit Ihrem Vertreter und allen nahen Angehörigen, damit Ihre Wünsche bekannt sind und ohne Streitigkeiten und Verzögerungen beachtet werden.

Falls Sie sich weiter über Patientenverfügung, Betreuungsrecht und Vorsorgevollmacht informieren wollen, finden Sie auf den Seiten des Bundesjustizministeriums viele Informationen, Formulare und Broschüren.

Für Fragen stehe ich Ihnen ebenfalls gerne zur Verfügung: Telefon 06373-891145, oder kontaktieren Sie mich hier.