Leitfaden Selbständigkeit 8: Das Startkapital

Sie wollen ein Unternehmen gründen und mit diesem Unternehmen Geld verdienen?

Super, aber: Bevor Sie Geld verdienen können, müssen Sie in Büroräume und Betriebsmittel investieren, Mitarbeiter einstellen oder schlichtweg für die ersten Monate genug Geld haben, um Ihre eigenen Kosten zu decken.

Sie brauchen also Startkapital.

Meiner Erfahrung nach benötigen Sie – um halbwegs auf der sicheren Seite zu sein – mindestens Geld für die ersten 3-6 Monate. Wieviel Geld das in Ihrem Fall ist, können Sie sich mit Ihrer Liquiditätsplanung ausrechnen.

Wie können Sie dieses Geld bekommen?

Ich finde, die beste Methode ist, sich das Geld nicht von der Bank zu leihen. Wir haben zwar gerade eine Niedrigzinsphase, aber Kredite sind wie Drogen: Man braucht immer mehr…

Falls Sie auf andere Weise als durch Ihre angestrebte Selbstständigkeit Geld verdienen können, sollten Sie dies vor Ihrer Existenzgründung tun und Rücklagen bilden.

Alternativ können Sie auch in Voll- oder Teilzeit angestellt arbeiten und nebenher oder an den Wochenenden Ihre Selbstständigkeit aufbauen.

Auf diese Weise ist der „Sprung ins kalte Wasser“ auch weniger wild, weil Sie dann ja schon wissen, dass Sie Kunden und Aufträge akquirieren können und ein Markt für Ihre Leistungen oder Produkte existiert.

Die Anfangsinvestitionen

Es ist nicht sinnvoll, gleich am Anfang ein riesiges Büro anzumieten, ein teures Auto zu leasen oder Ähnliches.

Fangen Sie klein an und bescheiden an und halten Sie damit Ihre laufenden Kosten niedrig.

Die Zeiten, in denen Kunden auf Statussymbole geachtet haben, sollten halbwegs vorbei sein.

Man achtet vielleicht darauf, welche Technik Sie einsetzen, aber ich glaube, ein großes, schnelles Fahrzeug einer „coolen“ Marke ist in den meisten Branchen nicht mehr entscheidend.

Ich würde in der Startphase in mein Corporate Design oder in meinen Web-Auftritt investieren und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen. Nichts ist schlimmer, als die Außenwirkung zu vermitteln, dass Sie nicht wissen, was Sie tun.

Büroräume sind nicht in jeder Branche Voraussetzung für eine Unternehmensgründung. In der modernen, durch das Internet geprägten Welt kann man am Anfang auch sehr gut von daheim aus arbeiten.

Der Existenzgründungskredit

Falls Sie die nötigen Mittel für Ihr Startkapital nicht selbst erarbeiten können, kann ein sog. Existenzgründungskredit sinnvoll sein.

Bitte vergleichen Sie aber genau, welche Kreditbedingungen Ihnen die jeweilige Bank anbietet.

Schauen Sie sich im Netz nach Förderkrediten um, die von der KfW-Bank oder ähnlichen Institutionen vergeben werden.

Ich habe relativ kurz nach der Aufnahme meiner Selbstständigkeit eine Kanzlei übernommen. Die Finanzierung dieser Übernahme erfolgte im Rahmen eines Existenzgründungskredits. Wenige Dinge in meinem Leben haben mich nachträglich mehr geärgert als dieser Kredit:

Die Summe, die ich bei der Bank aufnahm, war nicht wirklich hoch. Dennoch musste das Geld für die Kreditrate in den nächsten Jahren monatlich pünktlich zur Verfügung stehen. Alles Geld, das ich in dieser Zeit verdient habe und das überschüssig war, ist in den Kredit geflossen. Rücklagen oder Vermögen habe ich damals nicht gebildet.

Das finde ich heute sehr schade.

Die Kreditvergabe war daran gebunden, dass ich bei der entsprechenden Bank mein Geschäftskonto hatte. Die Konditionen für dieses Geschäftskonto waren – rückblickend betrachtet – sehr schlecht.

Ich bin heute ein sehr zufriedener Kunde der DKB, zahle keine Kontoführungsgebühren, bekomme Zinsen auf meine Konten und habe für mein Geschäftskonto einen sehr niedrigen Dispozinssatz.

Mein Existenzgründungskredit wurde mir nur verbunden mit einem völlig unsinnigen Bausparvertrag bewilligt. Dieser sollte als Sicherheit für das Darlehen dienen, wofür er völlig ungeeignet war:

Zu Anfang, als die Bank noch ein „großes Risiko“ mit mir hatte, war auf dem Bausparvertrag kein Guthaben vorhanden. Erst nachdem ich den Kredit über mehrere Jahre schon fast zurück gezahlt hatte, war ein Bausparguthaben angewachsen…

(Meine Einwände wurden damals ignoriert, nein, das müsse sein… Ich weiß von Mandanten, die gerade gegründet haben, dass solche Bedingungen derzeit wohl nicht mehr auferlegt werden. Sollte man Ihnen entsprechende Vorschläge unterbreiten, gehen Sie besser zu einer anderen Bank…)

Sie sehen, Kredite zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit können Ihre künftige Liquidität enorm beschränken, denn Sie werden in den nächsten Jahren beständig Ratenzahlungen leisten müssen. Und viel mehr Geld zurückzahlen als man Ihnen zur Verfügung gestellt hat.

Wenn ich es noch einmal entscheiden könnte, würde ich keinen Existenzgründungskredit aufnehmen, sondern lieber kleiner starten.

Leitfaden Selbständigkeit 7: Die Liquiditätsplanung

Keine Sorge, dieser Blogbeitrag wird nicht so kompliziert, wie die Überschrift fürchten lässt.

Sie müssen aber als Selbständiger und vor allem als Existenzgründer unbedingt wissen, wann Sie welches Geld benötigen und wann Sie es hoffentlich verdienen werden. Den entsprechenden Überblick verschaffen Sie sich mit Ihrer Liquiditätsplanung.

Der Privatbedarf:

Zunächst müssen Sie sich überlegen, wie hoch Ihr monatlicher Privatbedarf ist:

Was geben Sie für Miete, Krankenversicherung, Altersvorsorge, Lebensmittel und Ähnliches aus?

Schreiben Sie sich diese Positionen auf einen Zettel, legen Sie eine Excel-Tabelle an oder rechnen Sie es mit einem Freund durch.

Nach einer Weile haben Sie eine solche Aufstellung:

 

Privatbedarf

 

(Ich füge Ihnen in diesen Beitrag Bilder von meinen eigenen Excel-Planungen aus dem Jahr 2005 ein. Damals habe ich eine Kanzlei gekauft und musste im Vorfeld die entsprechenden Aufstellungen fertigen, um zu sehen, wohin die Reise gehen wird.

Falls Sie das Bild im Beitrag nicht deutlich genug erkennen können, klicken Sie auf das Bild für eine größere Ansicht.)

Der Ertragsplan:

Im nächsten Schritt erstellen Sie Ihren Ertragsplan.

In diesen nehmen Sie als Erstes Ihren prognostizierten Monatsumsatz auf.

Woher Sie wissen sollen, wieviel Umsatz Sie machen werden? Da werden Sie – sofern Sie keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen – kreativ raten müssen.

Seien Sie dabei realistisch und legen Sie das Wissen und die Erfahrungen zu Grunde, die Sie schon gesammelt haben. Seien Sie eher pessimistisch als optimistisch, denn Sie wollen in Ihrer Planung ja hauptsächlich wissen, ob sich Ihr Konzept auch mit schlechten Umsätzen trägt oder nicht.

(In meiner Planung hatte ich damals mit extrem niedrigen Anfangsumsätzen gearbeitet. Als dann mehr Geld als erwartet einging, gab das natürlich Auftrieb und hat die Gründersorgen deutlich abgemildert.)

Dann fügen Sie Ihre beruflichen Ausgaben ein, wie etwa monatliche Kosten für Personal, Versicherungen, Beiträge, Investitionen und Büromiete…

Denken Sie bitte an alle Ausgaben. Achten Sie darauf, dass nicht jede Ausgabe in jedem Monat anfällt. Versicherungen müssen vielleicht quartalsweise oder jährlich bezahlt werden, Ausgaben für Werbung und Investitionen fallen nur einmal an oder können in mehreren Raten bezahlt werden.

Ihr Ertragsplan könnte am Schluss so aussehen:

 

Ertragsplan

 

Der Liquiditätsplan:

In einem letzten Schritt müssen Sie Einnahmen und Ausgaben fortlaufend miteinander vergleichen und erhalten so Ihre Liquiditätsplanung:

 

Liquiditätsplan

 

Ich halte eine solche Planung für extrem wichtig, denn nur wenn Sie wissen, was an Einnahmen und Ausgaben auf Sie zukommt, können Sie absehen, welchen Kapitalbedarf Sie zu Beginn Ihrer Selbständigkeit haben.

Vorlagen für Liquiditätspläne sind im Internet zahlreich zu finden und auch für Menschen, die wie ich mit Excel auf Kriegsfuß stehen, leicht auszufüllen.

Ich verlinke Ihnen hier eine Mustervorlage der IHK Schleswig Holstein.

Falls Sie Probleme mit der Erstellung Ihrer Planung haben, wenden Sie sich an einen Steuerberater oder Buchhalter.

Für Fragen stehe ich Ihnen ebenfalls gerne zur Verfügung: Telefon 06373-891145, oder kontaktieren Sie mich hier.

Leitfaden Selbständigkeit 6: Die Partnerschaft

Es gibt viele Vorteile,  wenn man eine Selbständigkeit mit einem Partner startet:

Sie sind nicht allein und haben jemanden, mit dem Sie Dinge durchsprechen können. Der Ihnen den Rücken stärkt, wenn Probleme auftreten.

Man kann leichter ein größeres Angebot anbieten, wenn zwei Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenarbeiten.

Kosten (Büromiete, Anschaffungen, Marketing, Angestellte…) können geteilt werden, wodurch die Selbständigkeit deutlich günstiger wird.

Ist einer der Partner krank, kann der andere für ihn einspringen.

Eine Partnerschaft hat aber auch Nachteile:

Zwei Menschen – mindestens zwei Meinungen.

Vielleicht arbeiten Sie auf unterschiedliche Weise oder sind zu verschiedenen Zeiten einsatzbereit und kreativ. Sie sind ein Akquise-Genie, während Ihr Partner eher zum Arbeitstier mutiert und gerne Nachtschichten einlegt.

In dem Moment, in dem einer von Ihnen denkt: „Oh, es ist unfair, dass ich die ganze Arbeit mache/ mehr Kunden bringe/ viel weniger Geld bekomme/ mehr Stunden arbeite…“ werden die Dinge kompliziert…

Es kann auch sein, dass Sie mit der Zeit unterschiedliche Visionen haben, wie sich Ihr Geschäft weiter entwickeln soll.

Falls man mit einem Partner durchstarten will, ist es lebenswichtig, dass man sich vorher ausführlich bespricht und genau festlegt, was man voneinander erwartet und wie man miteinander arbeiten will.

Verträge sind dazu da, damit man sich verträgt!

Die Absprachen müssen meines Erachtens in einem schriftlichen Vertrag festgehalten werden.

Falls Sie einen solchen Vertrag abschließen, müssen folgende Dinge unbedingt geklärt und enthalten sein:

  • Welche Art von Gesellschaft (GmbH, GbR, AG…) wollen Sie gründen? Jede Gesellschaftsform hat bestimmte Vor- und Nachteile, so dass es sinnvoll ist, sich hierzu durch einen Steuerberater und/ oder Rechtsanwalt beraten zu lassen.
  • Wie soll der Gewinn aufgeteilt werden?
  • Wer soll welches Gehalt erhalten?
  • Wer trägt welche Kosten?
  • Wieviel Zeit bringt jeder Partner in die Partnerschaft ein? Was passiert, wenn sich das ändert?
  • Sollen Nebenjobs erlaubt sein?
  • Was ist mit Wettbewerbsverboten und Konkurrenzschutz?
  • Wer soll die Entscheidungen treffen und auf welchem Weg werden sie erreicht?
  • Soll einer von Ihnen das Recht haben, Verträge abzuschließen, die auch den Partner binden?
  • Wie viele Urlaubstage soll jeder haben?
  • Was passiert, wenn einer der Partner (längerfristig) krank wird?
  • Was passiert, wenn einer der Partner stirbt?
  • Wie soll die Partnerschaft beendet, die Gesellschaft aufgelöst werden?
  • Wie sollen Aktiva aufgeteilt werden? (Wenn man klein anfängt, kann es sinnvoll sein, dass einer den Drucker kauft und der andere das iPad…)
  • Wie und wo sollen Streitigkeiten zwischen den Partnern geklärt werden? Soll es eine Pflicht zur Mediation geben?
  • Da Ihr Anteil an der Partnerschaft Teil Ihres Vermögens ist, muss sichergestellt werden, dass durch eine Scheidung oder Insolvenz das Geschäft nicht ruiniert wird. Es gibt rechtliche Strategien, mit denen dies verhindert werden kann. Jeder Partner sollte einen Ehevertrag haben, in dem klargestellt wird, dass der Geschäftsanteil nicht zu dem Vermögen gehört, das bei einer Scheidung aufzuteilen ist.
  • Sie müssen dafür sorgen, dass die erforderlichen Versicherungen – insbesondere eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung – abgeschlossen werden, damit ein Fehler Ihres Partners nicht Ihren eigenen Ruin nach sich zieht.

Sie sehen, es gibt viel zu bedenken und durchzusprechen.

Falls Sie eine Partnerschaft planen, hinterlassen Sie doch einen Kommentar und erzählen Sie, was Sie vorhaben und in welchem Stadium Sie gerade sind!