Leitfaden Selbständigkeit 2: Der Grundstein

Sie müssen sich zunächst überlegen, welche Produkte oder Dienstleistungen Sie anbieten wollen.

Von Vorteil ist es, wenn Sie in dem angestrebten Bereich eine Ausbildung haben und/ oder in dem entsprechenden Beruf schon als Angestellter gearbeitet haben.

Eine Selbständigkeit erfordert von Ihnen viele Fertigkeiten neben dem eigentlichen Beruf.

Daher sollte man meiner Meinung nach für die Kerntätigkeit ausreichend Erfahrung mitbringen.

Meine Gründung ist in der Zeit erfolgt, in der die sog. „Ich-AGs“ gefördert wurden.

Diese Förderung ist – so kam es mir damals jedenfalls vor – jedem bewilligt worden, der sich selbständig machen wollte. Das war nicht immer sinnvoll.

Man konnte z.B. beobachten, dass an vielen Ecken Nagelstudios Eröffnung feierten und etwa ein halbes Jahr später wieder verschwunden waren. Ein Kurs zur „Nagelmodellage“ war günstig zu haben, auch die Grundausrüstung war erschwinglich…

Jedoch hatten die wenigsten Nageldesigner durchkalkuliert, wie viele Hände sie maniküren mussten, um überhaupt die monatliche Raummiete zu erwirtschaften. (Derzeit kann man das gleiche Phänomen übrigens bei Goldankaufläden beobachten.)

Meist endet eine solche kurze Selbständigkeit nicht damit, dass der Laden einfach schließt:

  • Geschäftsräume werden oft auf mehrere Jahre angemietet,
  • Lieferanten und Mitarbeiter wollen bezahlt werden,
  • Kredite sind aufgenommen worden.

So kommt es häufig vor, dass eine Selbständigkeit mit hohen Schulden und in der Insolvenz endet.

Eine Insolvenz ist in Deutschland zwar nicht das Ende der Welt, bedeutet aber, dass Sie auf viele Jahre finanziell eingeschränkt leben müssen und Ihre Kreditwürdigkeit auch nach der Restschuldbefreiung lange negativ bleibt.

Ich rate Ihnen deshalb, eine Selbständigkeit nur aufzunehmen, wenn Sie Ihren Job können und Sie ihn auch wirklich und von Herzen machen wollen.

Wie geht es dann weiter? Dazu mehr im nächsten Beitrag!

Leitfaden Selbständigkeit 1: Die Einführung

Als Anwalt berät man von Zeit zu Zeit Selbständige oder Menschen, die in die Selbständigkeit gehen wollen. Ich selbst habe vor über 10 Jahren meine eigene Kanzlei gegründet und möchte mit diesem Leitfaden für Sie ein wenig zusammenfassen, was ich seither gelernt und erfahren habe.

Dabei geht es mir nicht darum, Detailwissen zu vermitteln. Ich möchte Ihnen eher mit auf den Weg geben, was es heißt, ein selbständiger Unternehmer zu sein.

Zu meinem Werdegang:

Ich wollte schon lange vor dem Abitur Rechtsanwältin werden und habe daher Jura studiert. Das Studium war trocken, unübersichtlich und hat mir keinen großen Spaß gemacht. Auf das erste Staatsexamen folgten zwei Jahre Referendariatzeit:

Praxis, echte Fälle, Gerichtsverhandlungen – ich blühte auf und merkte, dass ich mir doch das richtige Fach ausgesucht hatte…

Erste Schritte:

Nach meinem zweiten Staatsexamen war ich zunächst in einer Kanzlei als Anwältin angestellt. Dort habe ich viel gelernt, etwa wie man mit Mandanten umgeht, wie man eine Akte führt, wie Kostenrechnungen erstellt werden und vieles andere mehr. Das Handwerkszeug eines Rechtsanwalts eben.

Eine sehr spannende und lehrreiche Zeit, aber nach einer Weile dachte ich oft: „Das kann ich besser!“ oder „Wenn ich das selbst entscheiden müsste, würde ich das aber anders machen!“

Die Entscheidung:

Und so kam es, dass ich es irgendwann in der Tat anders machen wollte und mich selbständig gemacht habe.

Ich glaube, für einen Anwalt ist das nicht so ungewöhnlich. Viele meiner Kollegen haben ihre eigene Kanzlei und arbeiten dort alleine oder mit ein, zwei Kollegen.

Rechtsanwalt ist schon immer ein freier Beruf gewesen (und das ist auch gut so).

Freiheit – und das wird jedem Unternehmer vertraut sein – bedeutet aber auch, dass man viele Entscheidungen treffen muss und letztlich auf sich allein gestellt ist.

Wie gehe ich also vor, wenn ich mich selbständig machen will?

Das verrate ich Ihnen in den nächsten Beiträgen. Teil 2 finden Sie hier.